8-stündige Fahrt von Porto nach Porto Vecchio
Normalerweise dauert die ca. 200 km Fahrt von Porto nach Porto Vecchio ca. 4 Stunden. Wir brauchen am 27.05.2025 doppelt so lang. Zum Glück ist an diesem Tag mein Magen erstaunlich robust und ich verspüre auf der langen und auf weiten Strecken natürlich kurvenreichen Fahrt keinerlei Reiseübelkeit. Dafür geht ansonsten einiges schief. Aber alles schön der Reihe nach.
Spatz beim Frühstück
In dem kleinen Café, in dem wir frühstücken, herrscht am Morgen bereits Hochbetrieb. Aber das lange Anstehen in der Schlange beschert uns ein nettes Tiererlebnis, das auch die anderen Gäste amüsiert. Ein Spatz fliegt immer wieder ins Café und knabbert an einem Wrap. Der freundliche Herr an der Kasse meint, das Kartenlesegerät „schläft“ noch ein wenig. Aber irgendwann wacht es auf und wir finden auch noch einen freien Tisch auf der Terrasse unseres Hotels und genießen zum vermeintlich letzten Mal die Aussicht auf den Golf von Porto.
Anschließend packen wir die letzten Sachen zusammen und checken aus. Normalerweise schaue ich vor der Abreise immer nach, ob noch irgendwo etwas herumliegt. Aber heute haben wir es ein wenig eilig, weil wir eine vierstündige Fahrt plus einen Abstecher für eine kleine Wanderung an der Küste bei Belvédère-Campomoro geplant haben.
Stau in den Calanques de Piana
Die Fahrt nach Belvédère-Campomoro beginnt mit einem Stau in den Calanques de Piana. Vor uns sind ein Lastwagen und diverse Radfahrer, die auch immer wieder nebeneinander fahren. Gleich am Anfang komm uns auch ein Krankenwagen mit Sirene und Blaulicht entgegen. Wir fahren bei der ersten Gelegenheit rechts ran, aber das nachfolgende Fahrzeug fährt mit vollem Tempo an uns vorbei und bremst die entgegenkommende Ambulanz aus. Aber die beiden Fahrzeuge kommen aneinander vorbei, allerdings wird es ein wenig eng.
Entspannte Fahrt durchs Hinterland
Nach den Calanques wird es deutlich ruhiger, aber die Straße ist immer noch ziemlich kurvig, aber gut ausgebaut. Die Strecke führt teilweise auch am Meer entlang, verläuft aber größtenteils durch grüne Landschaften im hügeligen Hinterland. Abgesehen von einigen Ortschaften, in denen sehr viel los ist, ist das Verkehrsaufkommen deutlich geringer als im Touristen-Hotspot Calanques de Piana. Es ist ein recht entspanntes Fahren, bis in einer Ortschaft der Verkehr angehalten wird, damit ein LKW rückwärts in die Straße fahren kann, den wir dann natürlich die ganze Zeit vor uns haben.
Wir haben unsere Fotorücksäcke vergessen
Nach zwei Stunden Fahrt läutet um 11:30 Uhr Manfreds Smartphone. Der Anruf kommt aus unserem Hotel. Wir haben unsere Fotorucksäcke in der kleinen Abstellkammer unseres Zimmers vergessen. Wie gesagt schaue ich normalerweise immer noch überall nach. Aber heute eben nicht. Und wir haben die Rucksäcke auch beim Beladen des Autos nicht vermisst.
Also müssen wir wohl oder übel die zwei Stunden nach Porto zurückfahren, teilweise wieder über enge und kurvenreiche Bergstraßen mit den üblichen Schreckmomenten, wenn wieder ein Auto oder Motorrad um die Kurve geschossen ist, als wäre man allein auf der Welt.
Zurück in Porto
Wir kommen nach ca. vier Stunden wieder in Porto an und können unsere Fotorucksäcke entgegennehmen. Anschließend teilen wir uns noch ein Käsesandwich und eine Cola in der Bar neben unserem Hotel und können – nun tatsächlich zum letzten Mal – die Aussicht auf die Bucht von Porto genießen.
Um 14:30 Uhr starten wir zum zweiten Mal an diesem Tag in Richtung Porto Vecchio, diesmal über Corte, weil die geplante Küstenwanderung bei Belvédère-Campomoro natürlich kein Thema mehr ist. Etwa eine Stunde später ist für mich auch der Reisebericht über Korsika kein Thema mehr. Manfred meint auch, dass es vielleicht besser wäre, wenn ich das lasse.
Passend zu unserer Stimmung bewölkt sich auch der Himmel in den Bergen immer mehr, während über dem Meer immer noch blauer Himmel und strahlender Sonnenschein herrscht.
Rücksichtslose Radfahrer
Auf der landschaftlich sehr reizvollen, aber leider auch extrem engen und kurvenreichen Bergstrecke Richtung Corte bremst uns eine Gruppe Radfahrer aus, die permanent nebeneinander gefahren. Einer radelt dann noch nach vorne, um die Gruppe mit seinem Smartphone zu filmen und das auf einer Straße, auf der wirklich jeden Moment ein Fahrzeug um die Kurve kommen kann. Das ist echt Wahnsinn, was die da treiben!
Wir fahren beide selbst Rad, ich vor allem in der Stadt zum Einkaufen oder ins Schwimmbad und Manfred fährt auch regelmäßig längere Strecken. Aber wir meiden beide enge und viel befahrene Straßen und bremsen nicht absichtlich andere Verkehrsteilnehmer aus. Wir akzeptieren auch, dass andere gerne auf solchen Strecken radeln, auch wenn sie maßgeblich dazu beitragen, dass Radfahrer gerne als Verkehrshindernisse betrachtet werden. Aber diese Truppe schießt echt den Vogel ab.
Irgendwann setzt Manfred zum Überholen an und hupt die fröhliche Truppe von der Straße. Das machen wir normalerweise nicht. Aber die nerven wirklich. Normalerweise hupen nur LKWs oder Busse, wenn sie um unübersichtliche Kurven fahren. Meistens kommen sie allerdings unangekündigt und oft in rasantem Tempo angeschossen. Das wäre für die radelnde Truppe fatal.
Zwischendurch kommen immer wieder entgegenkommende Motorräder gefährlich weit auf unsere Fahrspur oder andere Autos schneiden die Kurven, dass mir fast das Herz stehen bleibt. Man gewöhnt sich einfach nicht an diese ständigen Schreckmomente. Aber zum Glück geht alles gut.
Faszinierende Landschaften
Die Landschaft ist wirklich fantastisch mit hoch aufragenden Felswänden. Zwischendurch windet sich ein kleiner Gebirgsbach durch die spektakuläre Naturkulisse. Aber leider können wir nirgends zum Fotografieren stehen bleiben und so stört es auch nicht übermäßig, dass sich die Sonne endgültig hinter einer geschlossenen Wolkendecke versteckt.
Irgendwann ist die Straße besser ausgebaut, breiter und mit weniger Kurven. Dafür ist die Landschaft nicht mehr so spektakulär, eher hügelig und mit viel Wald. Aber das entspanntere Fahren ist definitiv wichtiger. Nachdem wir den geplanten Reisebericht fürs Internet gestrichen haben, streichen wir auch die Besichtigung von Corte. Städte sind ohnehin nicht so wirklich unsere Welt und wir sind in erster Linie wegen der tollen Landschaften nach Korsika gekommen.
Wo ist unser Hotel?
Eine Baustelle und den abendlichen Berufsverkehr um Porto Vecchio nehmen wir relativ gelassen, auch weil sich die Blechlawine vor allem auf der Gegenfahrbahn staut. Wir sind einfach nur froh, als wir nach acht Stunden Fahrt gegen 18:30 Uhr in Porto Vecchio ankommen. Und da geht der Stress dann so richtig los.
Wir finden zwar unser Hotel und Manfred bewältigt auch die extrem steile und enge Zufahrt zur Tiefgarage und wir er schafft es auch noch mit Müh und Not in den ebenfalls sehr engen Stellplatz. Aber leider gibt es nirgends eine Rezeption. Zum Glück stehen zwei Hotelgäste auf dem Balkon, die sofort fragen, ob ich Englisch spreche. Sie erklären uns den Weg einem 400 Meter entfernten Best Western Motel, in dem wir einchecken müssen. Als wir den Weg auf der Straße googlen, bietet uns eine Passantin Hilfe an und begleitet uns dann zum Hintereingang des Hotels, den wir in den nächsten Tagen auch regelmäßig als Abkürzung nutzen. Denn natürlich ist der Frühstücksraum auch in diesem Hotel. Den dezenten Aushang mit dem entsprechenden Hinweis sehen wir erst viel später. Aber nach acht Stunden Fahrt kann man so was schon mal übersehen.
Zurück in unserem Hotel finden wir das Zimmer 1a nicht. Irgendwann kommen wir zu der Erkenntnis, dass wir zunächst die Tür mit der Aufschrift „1“ mit der Schlüsselkarte öffnen müssen. Dahinter verbergen sich dann die Zimmer A, B und C.
Und weil solche kleinen Episoden immer gute Stories abgeben, überlege, ob ich vielleicht doch einen Reisebericht veröffentlichen sollte, vielleicht „Korsika – Pech und Pannen“ – analog zu dem bereits bestehenden Reisebericht „Pyrenäen – Pech und Pannen“.